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Sprachentwicklung fördern. Aber wie?

Autorenbild: Kathrin Felderer
Kathrin Felderer
2. Sept.
4 Min. Lesezeit

Sprachentwicklung beginnt lange vor dem ersten geschriebenen Wort. Schon im Kindergartenalter sammeln Kinder wichtige Erfahrungen mit Sprache.


Sie hören Wörter, entdecken Reime, erkennen Silben, erweitern ihren Wortschatz und lernen, dass Sprache aus unterschiedlichen Lauten und Strukturen besteht.

Diese Fähigkeiten sind später eine wichtige Grundlage für das Lesen und Schreiben. Besonders die phonologische Bewusstheit, also die Fähigkeit, auf die Lautstruktur von Sprache zu achten und beispielsweise Reime, Silben oder einzelne Laute wahrzunehmen, steht in engem Zusammenhang mit der späteren Lese- und Rechtschreibentwicklung. 


Doch wie kann man diese Entwicklung im Alltag unterstützen?

Nicht unbedingt mit mehr Arbeitsblättern.

Vieles beginnt ganz einfach: mit Sprechen, Zuhören, Reimen, Singen, Klatschen und Bewegung.


Sprache beginnt im Alltag


Kinder lernen Sprache vor allem dadurch, dass sie Sprache hören, am Gegenüber sehen und selbst verwenden.

Beim Einkaufen kann daraus beispielsweise ein kleines Sprachspiel werden:

„Was brauchen wir heute?“„Schau, dort sind rote Äpfel.“„Möchtest du einen Apfel oder eine Banane?“„Wie viele Äpfel brauchen wir?“

Dabei wird nicht nur gesprochen. Das Kind hört neue Wörter, erlebt Situationen, verbindet Wörter mit Gegenständen und lernt, Sprache selbst einzusetzen.

Auch Farben, Formen, Mengen und Eigenschaften lassen sich ganz selbstverständlich in Gespräche einbauen:

rot – rund – weich – groß – klein – schwer – leicht

Je vielfältiger Kinder Sprache erleben, desto mehr Möglichkeiten bekommen sie, ihren Wortschatz und ihr Sprachverständnis auszubauen.

Dabei ist nicht entscheidend, ständig „zu üben“. Viel wichtiger ist, miteinander im Gespräch zu sein.


Sprache fördern heißt nicht Fernsehen oder ins Handy schauen.


Manchmal sind es die kleinen Dinge, die den größten Unterschied machen.

Beim Spaziergang:

„Was siehst du?“

Beim Kochen:

„Was brauchen wir zuerst?“

Beim Einkaufen:

„Welche Farbe hat der Apfel?“

Beim Autofahren:

„Welches Wort reimt sich auf Haus?“

Beim Anziehen:

„Wie viele Silben hat Hose?“

Und beim gemeinsamen Lesen:

„Was glaubst du, wie geht die Geschichte weiter?“

Sprache entsteht überall dort, wo wir miteinander sprechen, zuhören und gemeinsam entdecken.


Hören: Sprache bekommt einen Rhythmus


Ein nächster wichtiger Schritt ist das bewusste Hören.

Kann ein Kind erkennen, ob sich zwei Wörter reimen?

Haus – Maus, Hase – Nase

Kann es hören, dass ein Wort aus mehreren Silben besteht?

Ba-na-ne, Schu-le, Fe-der

Genau hier kann Bewegung wunderbar unterstützen.

Ein Wort wird gesprochen und gleichzeitig geklatscht oder gesprungen.

Ba – na – ne 👏 👏 👏


Oder die Silben werden mit einer Trommel begleitet.

Noch spannender wird es, wenn das Kind zu jeder Silbe einen Schritt macht oder auf einem Bodenbild von Silbe zu Silbe springt.

So wird Sprache nicht nur gehört, sondern rhythmisch erlebt.


Die Forschung zur phonologischen Bewusstheit zeigt, dass Fähigkeiten wie Reimen, Silbenerkennen und insbesondere das bewusste Arbeiten mit Lauten wichtige Bestandteile der frühen Literacy-Entwicklung sind. 

Auch aktuelle Forschung zu rhythmusbasierten Trainings zeigt interessante Zusammenhänge mit sprachlichen Fähigkeiten und der phonologischen Bewusstheit.


Reime und Lieder: Lernen darf leicht sein


Reime sind ein wunderbarer Einstieg.

„Die Maus sitzt im Haus.“

„Der Hase mit der süßen Schnuppernase.“


Kinder können passende Reimwörter finden, selbst neue Wörter ausdenken oder bekannte Kinderlieder mitsingen.

Dabei geht es gar nicht darum, dass jedes Kind sofort perfekte Reime findet.

Es geht darum, dass das Kind beginnt, auf die Klangstruktur von Wörtern zu achten.

Auch Lieder eignen sich hervorragend:

  • Silben klatschen

  • bestimmte Wörter betonen

  • Reimwörter finden

  • den Rhythmus mit Trommel oder Klatschen begleiten

So wird Sprache spielerisch untersucht.


Sehen: Vom gesprochenen Wort zum Wortbild


Mit dem Eintritt in die Schule kommt eine weitere Ebene hinzu:

Das gesprochene Wort wird sichtbar.

Das Kind muss lernen:

Ich höre ein Wort und dieses Wort kann ich mit Buchstaben darstellen.

Für viele Kinder ist genau dieser Übergang eine große Herausforderung.

Deshalb arbeite ich gerne mit Bildkarten und Wortbau-Silbenkarten.

Zum Beispiel:

SCHU – LE

Das Kind sieht das Bild, spricht das Wort und zerlegt es in seine Silben.

Dann kann es die Silben legen, lesen, sprechen und anschließend selbst aufschreiben.

Noch bewegter wird es, wenn jede Silbe mit einer Bewegung verbunden wird:

SCHU → Schritt, LE → Schritt

Oder:

SCHU → springen, LE → springen

Damit wird das Wort gleichzeitig gehört, gesehen, gesprochen und bewegt.

Das ist für mich ein wichtiger Grundgedanke von Federleicht Lernen:

Je mehr sinnvolle Zugänge wir zu einem Lerninhalt schaffen, desto mehr Möglichkeiten bekommt ein Kind, ihn zu verstehen.


Vom Wort zur Rechtschreibung


Im Grundschulalter wird aus der Sprachentwicklung zunehmend Schriftentwicklung.

Jetzt reicht es nicht mehr, ein Wort nur zu sprechen.

Das Kind soll es auch richtig schreiben.

Und genau hier entstehen bei vielen Kindern die ersten Schwierigkeiten.

Warum schreibt man ein Wort so und nicht anders?

Welche Silben höre ich?

Welche Laute gehören zusammen?

Welche Buchstaben brauche ich?

Welche Wortfamilie steckt dahinter?

Welche Besonderheiten muss ich mir merken?

Rechtschreibung entwickelt sich nicht innerhalb weniger Wochen. Sie braucht systematische Auseinandersetzung, Wiederholung und vor allem Zeit. Eine Metaanalyse zur Rechtschreibförderung zeigt beispielsweise, dass gezielter Rechtschreibunterricht die Rechtschreibleistung verbessern kann und auch positive Effekte auf Lesen und phonologische Fähigkeiten zeigen kann. 


Wortfamilien helfen, Ordnung in Wörter zu bringen


Ein Beispiel aus meiner Arbeit:

FAHR

fahren, Fahrt, Fahrkarte, Fahrzeug, Fahrgast, Einfahrt, Gefahr

Gemeinsam können wir untersuchen:

Was gehört zusammen? Was ist der Wortstamm? Was verändert sich? Was bleibt gleich?

Dazu können Wörter gelegt, sortiert, gesprochen, in Silben zerlegt und anschließend geschrieben werden.

So wird Rechtschreibung nicht zu einem reinen Auswendiglernen einzelner Wörter.

Das Kind beginnt, Strukturen zu entdecken.


Bewegung macht aus einer Rechtschreibübung ein Erlebnis


Warum sollte eine Rechtschreibübung immer am Tisch stattfinden?

Ein Kind kann beispielsweise:

Wort lesen → Silben sprechen → Silben springen → Wort legen → Wort schreiben

Danach kommt ein kleiner Lückentext, ein Bewegungsspiel, oder ein Reim mit den gelernten Wörtern.


So entsteht ein Lernprozess, bei dem sich Sprache, Wahrnehmung, Bewegung und Schrift miteinander verbinden.

Bewegung ist ein zusätzlicher Lernzugang, der Aktivität, Aufmerksamkeit und abwechslungsreiches Lernen ermöglicht.


Und wenn Sprache oder Rechtschreibung schwerfällt?


Dann lohnt es sich, genauer hinzusehen.

Kann das Kind Silben sicher erkennen?

Hört es Reime?

Kann es Laute unterscheiden?

Kann es ein Wort in seine Bestandteile zerlegen?

Kann es Wörter nach ihrem Wortstamm ordnen?

Kann es Gehörtes in Schrift übertragen?

Denn nicht jedes Kind braucht dieselbe Unterstützung.

Gerade deshalb ist es wichtig, zuerst herauszufinden, wie das Kind denkt und wo der Lernprozess schwierig wird, um anschließend genau dort anzusetzen.

Eine gezielte Förderung der phonologischen Bewusstheit kann sinnvoll sein und gleichzeitig sollte sie nicht isoliert betrachtet werden, sondern mit Laut-Buchstaben-Zuordnung, Lesen, Schreiben und Sprachentwicklung verbunden werden. 


Sprache darf sich bewegen


Bei Federleicht Lernen verbinde ich Sprach- und Rechtschreibförderung mit Bewegung, Rhythmus, Spielen und unterschiedlichen Lernmaterialien.

Denn Lernen darf:

gehört werden, gesprochen, gesehen, gefühlt, bewegt und geschrieben werden.


Und manchmal braucht es nicht mehr vom Gleichen, sondern einen anderen Zugang.


Federleicht Lernen

Sprache erleben,

Strukturen entdecken

und Lernen in Bewegung bringen.


Herzliche Grüße

Kathrin


 
 
 

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